Muss ich mich arbeitslos melden, wenn ich kündige, um zu reisen?

Yeah, Schritt eins ist getan, gekündigt habe ich nun endlich! Der Flug ist auch schon gebucht und Freunde und Familie wurden in die Pläne eingeweiht. Und jetzt? Neben impfen, Wohnung untervermieten und eine Auslandskrankenversicherung suchen, steht „Arbeitslos melden“ dick und fett auf der To Do Liste.

„Arbeitslos melden“ – das klingt erstmal irgendwie komisch. So richtig arbeitslos fühle ich mich doch irgendwie gar nicht, ich bin schließlich unterwegs und zum Zeitpunkt der Meldung habe ich auch noch einen Job… Trotzdem ist es unglaublich wichtig sich bei der Agentur für Arbeit zu melden. Warum?

Wenn du dich vorher nicht arbeitslos gemeldet hast, bekommst du kein Arbeitslosengeld, wenn du wieder zurück in Deutschland bist und nicht direkt einen Job findest.

Also, kurz und schmerzlos:

Jaaaa, du musst dich arbeitslos melden! Unbedingt! Sehr Wichtig!

Aber wie geht denn das nun eigentlich alles mit diesem arbeitssuchend bzw. arbeitslos melden? Arbeitslos und arbeitssuchend sind nämlich zwei verschiedene Dinge – den Unterschied merkst du gleich. 🙂

Durch verschiedene Blogposts war ich nun zumindest schon einmal darauf vorbereitet, dass es natürlich nicht einfach so mit einem Klick funktioniert, aber sobald man einmal durchgestiegen ist, ist das Ganze eigentlich auch gar nicht mehr so schwierig. 🙂

So funktioniert’s…

SCHRITT 1 (vor der Reise): Arbeitssuchend melden

Sobald du deine Kündigung eingereicht hast (oder gekündigt wurdest) und weißt, ab welchem Tag du ohne Job sein wirst, musst du dich arbeitssuchend melden. Das kannst du telefonisch, persönlich oder online machen. Ich habe mich für die telefonische Variante entschieden. Und das, obwohl ich echt überhaupt gar nicht gerne telefoniere…

Allerdings hat das auch seine Gründe: In dem Blogpost von Geh mal reisen habe ich gelesen, dass es online eine ziemlich langwierige Prozedur sei, mit Werdegang, Lebenslauf und Englisch- und Deutsch-Noten eingeben und so und schlussendlich noch 2-3 weitere Male zur Agentur für Arbeit rennen.. Zum Glück lese ich auch meistens die Kommentare unter Blogposts (nur der Geheimtipps wegen! 😉 ) und dort schrieb jemand, der dies persönlich gemacht habe und alles in einem Rutsch erledigen konnte. Wie son Amt natürlich ist, sind die Öffnungszeiten für einen Arbeitnehmer, der ich ja zum aktuellen Zeitpunkt noch bin, nicht ganz so optimal. Daher: Telefon. Außerdem konnte ich mich so direkt noch mal beraten lassen, was ich nun weiterhin wann und wie machen muss. 🙂

Gut. Ich habs natürlich nicht direkt nach meiner Kündigung gemacht, sondern etwas vor mir hergeschoben, weil ich die Situation irgendwie komisch fand, aber du solltest es tatsächlich so früh wie möglich machen.

Ein bisschen nervös habe ich also die Nummer vom Arbeitsamt gewählt und ehrlich gesagt habe ich mit einer gestressten, genervten Stimme gerechnet. Nachdem ich eine Weile in der Warteschleife hing, ging irgendwann ne echt sympathische Frau ans Telefon, die mir alle Fragen beantwortete.

„Hallooooo… Ich habe gekündigt, um zu reisen und ich möchte mich gerne arbeitslos… äh… arbeitssuchend… oder erst arbeitslos und dann arbeitssuchend?… oder andersrum? Naja, auf jeden Fall würde ich mich gerne mal erkundigen, wie das denn alles so ist“.

So oder so ähnlich war mein erster Satz. Sagte ich schon, dass ich nicht gerne telefoniere? 😉 Sie erklärte mir auf jeden Fall alles ganz freundlich und wir starteten direkt mit dem ganzen bürokratischen Krempel… Hierfür solltet ihr ungefähr 20-30 Minuten einplanen.

Sich arbeitssuchend melden ist also die Basis, um sich hinterher arbeitslos zu melden und schlussendlich gegebenenfalls Arbeitslosengeld zu beziehen.

Ich hatte ja gehofft, dass ich NICHT meinen kompletten Werdegang niederlegen muss, aber weit gefehlt. Nachdem erst einmal die grundlegenden Infos wie Name, Geburtsdatum, Adresse ins System eingetippt worden sind, durfte ich ihr von meiner beruflichen Vergangenheit erzählen:

Wann und wo bin ich zur Schule gegangen, was habe ich wie lange studiert? Wann habe ich angefangen zu arbeiten und in welcher Position arbeite ich aktuell? Sprachkenntnisse, Führerschein. Gut, eine halbe Stunde später waren wir durch und sie vermerkte meine Unterlagen mit der Notiz, dass ich Ende Januar auf Reise gehen werde. Ja, ich war da ganz ehrlich und habe direkt mit offenen Karten gespielt.

Nun ist es offiziell: Ich bin arbeitssuchend!

Ein paar Tage später habe ich einen dicken Brief mit einem Stapel Unterlagen, Broschüren und einem Termin zum Beratungsgespräch erhalten. Der Termin lag natürlich genau in meiner Arbeitszeit, hat sich allerdings mit einem kurzen Anruf und einer Erklärung meinerseits schnell und unkompliziert absagen lassen. Mir wurde nicht einmal ein neuer Termin vorgeschlagen. So einfach kann’s gehen. 🙂

Außerdem war eine Info dabei, dass ich bis zum ersten Tag der Arbeitslosigkeit (in meinem Fall der 02.01.) persönlich zum Arbeitsamt muss, um mich auszuweisen und offiziell arbeitslos zu melden.

WICHTIG: Unter dem Stapel Unterlagen befand sich auch der Vordruck „Arbeitsbescheinigung„, welcher von dem Arbeitgeber dringend ausgefüllt werden muss, damit die Höhe des Arbeitslosengeldes berechnet und mir dieses nach meiner Rückkehr ausgezahlt werden kann. Ich habe das Formular schriftlich erhalten, an die Personalabteilung weitergegeben und es ein paar Tage später ausgefüllt zugeschickt bekommen, allerdings kann das Ganze auch online erfolgen (hier geht’s zum Formular).  Neben der Arbeitsbescheinigung befand sich unter den Zetteln ein Fragebogen, weshalb und warum ich den Job gekündigt habe. Den durfte ich ausfüllen. 😉

SCHRITT 2 (vor der Reise): Arbeitslos melden

Am 02.01. (erster Tag der Arbeitslosigkeit) bin ich dann mittags zum Arbeitsamt gefahren und habe mich arbeitslos gemeldet – irgendwie ein komisches Gefühl.

Folgende Unterlagen solltest Du einpacken:

  • Personalausweis/Reisepass
  • Die vom Arbeitgeber ausgefüllte Arbeitsbescheinigung
  • Den von dir selbst ausgefüllten Fragebogen zum Kündigungsgrund
  • Vorsichtshalber eine Kopie deiner Kündigung und der Kündigungsbestätigung
    (Eigentlich stehen alle diese Informationen bereits in der Arbeitsbescheinigung und bei mir fragte auch niemand danach, allerdings habe ich schon gegenteiliges gelesen, daher vorsichtshalber einfach mal mitnehmen)

Dann stand ich in einer laaaangen Schlange am Empfang und wartete… Zeit solltet ihr übrigens auch vorsichtshalber mal mitbringen. 🙂

Nachdem ich mich ausgewiesen und meinen Besuchsgrund mitgeteilt habe, wurde ich in den Warteraum geschickt und wartete weiter, diesmal auf den Aufruf meines Namens. Kurze Zeit später kam der Typ vom Empfang rein und nahm mich wieder mit zu seiner Empfangskabine (sieht aus wie die Kofferaufgabe am Flughafen, nur rundum verglast :D). Irgendwie war er ziemlich verwirrt und hatte nicht so richtig den Plan, was in meinem Fall zu tun ist und musste sich erst einmal mit seiner Kollegin beraten. Meine Fragen zu ein paar Fragen vom Kündigungsgrund-Fragebogen konnte er auch nicht wirklich beantworten und so war ich schlussendlich wohl fast verwirrter als er selbst. Nachdem mehr oder weniger alles geklärt war, ich alle Unterlagen einreichte und er irgendwas in den Computer tippte, ich dreimal nachfragte, ob jetzt alles passt, durfte ich gehen. Schauen wir mal, ob ich in nem halben Jahr Geld kriege 😀

SCHRITT 3 (vor der Reise): Abmelden

Ich habe auf einigen Blogs gelesen, dass ich direkt vor der Reise noch einmal zum Arbeitsamt gehen muss, um mich abzumelden. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob das wirklich der Fall ist, weil durch meinen Besuch am 02.01. habe ich mich ja eigentlich bereits abgemeldet. Der 25.01. steht als Flugdatum im System und ich habe alles geklärt was geklärt werden musste und alle wichtigen Unterlagen eingereicht. Ich werde wohl die Tage einfach noch mal dort anrufen und nachfragen. Ich werde berichten. 😉

Die Sperrfrist

Was ist eine Sperrfrist?

Da ich selbst gekündigt habe, habe ich eine 3-monatige Sperrfrist, das heißt, ich bekomme 90 Tage lang KEIN Arbeitslosengeld ausgezahlt, auch wenn ich weiterhin hier in Deutschland dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen würde. Da ich ja aber nun die Zeit über im Ausland bin und sowieso kein Arbeitslosengeld beziehen kann, verstreicht die Sperrfrist einfach während meiner Abwesenheit. Und wenn ich dann wieder hier bin, muss ich mich nur beim Arbeitsamt zurückmelden und kriege mein Arbeitslosengeld ganz normal monatlich ausgezahlt.

Sonstige Hinweise

Ein paar kleine Hinweise noch zum Schluss:

• Um Arbeitslosengeld ausgezahlt zu kriegen, musst du vorher 12 Monate am Stück gearbeitet haben
• Wenn du länger als 4 Jahre unterwegs bist, verfällt dein Anspruch auf Arbeitslosengeld
• Während der Reise kriegst du natürlich kein Arbeitslosengeld, da du dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehst. Außerdem bist du in dem Zeitraum nicht über die Arbeitsagentur krankenversichert. Daher musst du auf jeden Fall eine Auslandskrankenversicherung abschließen.
• Nach der Reise gehst du möglichst direkt zum Arbeitsamt und sagst „Hey, ich bin wieder da“ und erhältst ab sofort dein Arbeitslosengeld, Jobangebote und bist wieder krankenversichert.

Hier geht’s zu den weiteren Vorbereitungen für unsere Reise!


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