Auf geht’s nach Kotor, Montenegro

Montenegro? Hat man irgendwie so überhaupt gar nicht als Reiseland auf dem Schirm. Solltest du ändern, am besten sofort! Es ist einfach sooooo unglaublich schön und vielseitig! Zum einen gleicht es mit den Bergen und Buchten Norwegen mit seinen Fjorden (nur etwas wärmer 😉 ), zum anderen könnte man meinen, man wäre in der Karibik. Sandstrände, türkisfarbenes Wasser… Und immer der Blick auf die unglaublichen Berge, die alles einrahmen. Mega!

Und das Beste: Wir hatten eine Hütte in ca. 1000 Metern Höhe in einem kleinen ruhigen Bergdörfchen, eine unfassbar tollen Ausblick und eine sternenklare Nacht.

Gefühlt waren wir dort die einzigen Menschen. Stille umgab uns, als wir aus dem Auto stiegen. An den Druck auf den Ohren hatten wir uns während der Serpentinenfahrt bereits gewöhnt. Wir stiegen aus, schauten nach links: Kleine Häuschen und Berge. Wir drehten uns um und hatten den womöglichst schönsten Ausblick auf der gesamten Reise. Wo endet der Himmel und wo fängt das Meer an?

Von Kroatien nach Montenegro

Aaaaber starten wir mal ganz vorne… Der Wecker klingelt. Relativ früh, aber wir haben ja auch einiges zu tun und eine Strecke von knapp 100 Kilometern von Zaton bei Dubrovnik bis Kotor in Montenegro vor uns. 100 Kilometer? Das klingt jetzt erstmal nicht so lange, fährt man in Deutschland so in einer Stunde. Zumindest mit der Autobahn. „Hm, gibts hier überhaupt ne Autobahn?“. Anscheinend nicht, Google Maps schlägt direkt die Route über Land vor, 2 Stunden direkt an der Küste entlang. Klingt gut.

Erstmal klären, wer wann ins Bad darf – bei vier Personen gar nicht so einfach, Brötchen, Käse und Kaffee aufn Tisch und gemütlich frühstücken. Sachen ins Auto, ein bisschen hin und herräumen… Geschafft! Endlich zahlen sich die etlichen Stunden aus, die man mit dem Gameboy in der Hand beim Tetris-Spielen verbracht hat. Unsere nette Gastgeberin verabschieden und noch ein Erinnerungsfoto mit Jules Sofortbildkamera machen. Von der Airbnb-Terrasse mit den kroatischen Bergen im Hintergrund. Zum Abschluss hat sie noch ein besonderes Mitbringsel für uns: Einen Kühlschrankmagneten mit einem Abbild des Heiligen Blasius – kroatisch Sveti Vlaho, Schutzpatron von Dubrovnik – weil wir ihr erzählten, dass wir magnetische Flaschenöffner sammeln aus Ländern, die wir besuchen, in Dobrovnik aber nicht fündig wurden.

Gepäck ist verstaut und wir sind es auch, die Fahrt kann losgehen!

Erstmal wieder Richtung Flughafen und Dubrovnik, von der Straße aus noch einmal den roten Dächern der Altstadt zuwinken und den gestrigen Tage im Kopf Revue passieren lassen. 1979 wurde die gesamte Altstadt übrigens von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Verständlich!

Vorbei an Dubrovnik, vorbei am Flughafen, immer weiter Richtung Grenze. Die finde ich ja nicht so richtig entspannend… „Oh Gott, hoffentlich sehe ich nicht allzu anders aus, als auf meinem Passfoto! Nicht, dass ich nicht einreisen darf!“. „Haben wir irgendwas dabei, was wir nicht dabei haben dürfen?“. „Nicht, dass uns irgendwer irgendwo Drogen untergejubelt hat. Man hört ja immer so Geschichten…“.

Doch die Gedanken können wir getrost erst einmal wieder nach hinten verschieben, zwischen uns und dem Grenzbeamten wahren noch ein paar Autos den Sicherheitsabstand. Wir stehen und stehen. Und rollen zwei Meter. Dann stehen wir wieder. „Ey, ich glaub, die ganzen Motorräder da vorne sind Schuld! Das ist ja, als würden 20 zusätzliche Autos hier stehen!“. Solltet ihr also mal von Kroatien nach Montenegro fahren: Plant Zeit ein! Und plant noch mehr Zeit ein, wenn ihr genau in die entgegen gesetzte Richtung möchtet, die Schlange ist nämlich noch um eeeeiniges länger.

Ausweise abgeben, möglichst unschuldig und wie auf dem Bild schauen und… Fertig, wir dürfen weiterfahren.

Puh, Glück gehabt. Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr ohne etwas zu kaufen aus einem Laden geht? „Hoffentlich denken die jetzt nicht, ich hätte etwas gestohlen. Wer geht schon ohne Einkauf aus einem Laden raus?? Bloß nicht auffällig gucken, einfach normal gehen – nicht zu schnell, nicht zu langsam…“ – Ja, so ungefähr fühlt es sich an über eine Grenze zu fahren.

Direkt hinter der Grenze verändert sich die Landschaft. Links und rechts Berge, rechts steil nach oben und links weit in der Ferne.  Wir sind in Montenegro!

„Wohin müssen wir denn jetzt eigentlich genau?“ – „Hm, keine Ahnung. Unser Airbnb-Host hat gefragt, ob wir uns an der Tankstelle treffen wollen, um dort den Schlüssel abzuholen und eine genaue Wegbeschreibung zu erhalten. Er arbeitet da“. Na gut. Nächstes Ziel: Tankstelle.

Spätestens ein paar Kilometer weiter wird uns sichtlich bewusst, wieso wir so früh losgefahren sind und wofür wir eigentlich so viel Puffer eingeplant haben. Schon jetzt ist uns klar, dass es nicht bei einem Aussicht-genießen-Stop bleiben wird. Weißer Strand, klares, türkisfarbenes Wasser, umringt von Bergen und einem strahlend blauen Himmel.

„Gehen wir baden?“. Eigentlich hätte die Antwort wohl ganz klar und ohne zu zögern „JA!!!!“ heißen müssen. „Hm. Nee, wir wollen doch ankommen… Dann sind wir nass und so…“. Na gut, dann fahren wir halt weiter.

Der Weg ist das Ziel

„Okay okay okay, halt an, wir müssen schwimmen gehen!“ Wir haben eh noch keinen Plan wie unser weiterer Tag aussehen soll und eigentlich kann man sich das Baden in solch einer Umgebung nicht entgehen lassen. Passende Stelle grob ausmachen, schnell parken, einen vorschicken, um die Stelle genauer unter die Lupe zu nehmen und auf menschenleere zu checken, warten, Koffer durchwühlen, um die Badesachen und Handtücher zu suchen… Und nochmal zurück laufen, weil wir das Unterwasser-Case der Kamera im Auto vergessen haben. Naja, immerhin steht das Auto noch hier. Komplett, mit heilen Scheiben und dem kompletten Reifensatz.

Zwei Stunden, einige Tauchversuche und etliche (Unterwasser-)Bilder später: Weiter gehts, auf zur Tankstelle!

„Hey, wir sind in Kotor!“

„…Ist das die Stadtmauer? Die geht ja den Berg hoch!“ – Ja, Kotor ist quasi in den Berg hinein gebaut und auch heute noch sieht man die fast 4,5 Kilometer lange Stadtmauer der fast 2000 Jahre alten Stadt. Sehr beeindruckend, es ist nämlich noch alles wahnsinnig gut erhalten! Zeitgleich wie Dobrovnik wurde auch die Altstadt von Kotor zum Weltkulturerbe ernannt.

Tankstelle? Gefunden. Gastgeber? Hm, der ist irgendwie nicht hier. Mit Foto und Namen bewaffnet fragen wir die Tankstellen-Mitarbeiter, die wiederum andere Kollegen einweihen. So ganz sicher, ob sie unser Anliegen tatsächlich verstanden haben, sind wir uns nicht, Englisch ist nämlich tatsächlich nicht so weit verbreitet. Später stellten wir übrigens fest, dass er gar nicht an der Tankstelle arbeitet, sondern er sich dort mit uns getroffen hätte – wenn wir rechtzeitig Bescheid gesagt hätten. So müssen wir den Weg zu unserer Berghütte halt ohne einheimischen Wegweiser finden.

Bevor wir uns jedoch auf den Weg in die Berge machen, decken wir uns noch mit allem ein, was man halt so benötigt: Chips, Feigenplätzchen, Frühstück, Nudeln und… Bier! Gutes, montenegrinisches Flaschenbier. Dies jedoch sollte nicht den Weg mit auf den Berg finden. Schnell aufs Band an der Kasse damit und weiter gehts. Das zumindest ist der Plan.

„Flaschenbier gibts nur im Tausch gegen Bierflaschen.“
… steht in Englisch auf einem Zettel, den die Kassierin uns entschuldigend vors Gesicht hält.

Ääähhm hmm. Wusstet ihr, dass man Flaschenbier in Montenegro anscheinend nur im Tausch gegen Bierflaschen bekommt? Wir auch nicht. Komische Regelung, irgendwann muss man doch mal irgendwie anfangen?! Da die Kassierin offensichtlich weder Deutsch noch Englisch spricht, ist wohl auch diskutieren zwecklos und mit Hand und Fuß erfahren wir, dass immerhin Dosenbier auch für Gäste ohne Bierflaschen zu erwerben sind. Puh, wir sitzen doch nicht auf dem Trockenen. Wie sonst hätten wir auf unseren Etappensieg in 1000 Kilometern Höhe anstoßen können?

Schon im Voraus bereitete uns Google Maps sanft auf eine kurvige Fahrt den Berg hinauf vor. 

In Knapp 30 Serpentinen schlängelt sich die Straße den Berg hinauf und Kurve für Kurve wird der Ausblick auf die Bucht von Kotor atemberaubender. Am liebsten würden wir auf jeder geschafften Etappe anhalten, den Moment genießen und Fotos machen… Die Berge verlaufen am Horizont in verschiedenen Farbabstufungen wie in einem Gemälde. Könnt ihr euch noch an den Kunstunterricht erinnern? Wir mussten damals ein solches Bild malen. Berge- die vorderen dunkel, die hinteren immer heller werdend.

Einige Serpentinen später landen wir in Žanjev Do, einem kleinen Bergdorf am Rande des Lovćen, einem Hauptgebirge des Landes. Hier erwartet uns unser Zuhause für die nächsten zwei Nächte.

Ich informiere mich ja eigentlich immer gerne über die Städte, in denen wir so landen, aber über Žanjev Do war in der Tat nicht wirklich viel rauszubekommen. Es gibt Wikipedia-Einträge auf Spanisch und Französisch, in denen zuletzt Einwohnerzahlen aus dem Jahre 2004 gelistet sind. Und da waren es sage und schreibe genau 2. ZWEI! 😀 Gut, das ist inzwischen auch schon wieder 12 Jahre her, aber das würde zumindest die wunderbare Stille erklären.

„Sind wir hier richtig? Hier ist keiner!“

Erstmal parken, das Tor ist offen und der Standort stimmt auch. Könnte unsere Unterkunft sein. Aber wo ist der Schlüssel? Oder der Gastgeber? Oder Handyempfang, um ihn anzurufen, das wäre für den Anfang wohl auch was.

Handyempfang und den Gastgeber lernten wir den ganzen Aufenthalt über nicht kennen, so viel sei gesagt.

Etwas planlos irren wir umher, bis ein älterer Mann auf uns zukommt und in gebrochenem Englisch sein Verhältnis zum Gastgeber erläutert. Onkel? Nachbar? Beides? Egal, Hauptsache er weiß, wo der Schlüssel ist. Mit einem sicheren Griff ins Versteck zaubert er diesen hervor. Hätten wir auch selbst drauf kommen können, Schlüssel sind irgendwie IMMER dort versteckt.

Auto auf, Sachen raus, Gepäck in die Hütte, umziehen, essen. So der Plan. Die ersten Punkte auf unserer Liste arbeiteten wir schnell ab, der Hunger wurde immer größer. Gut, dass es genau EIN Restaurant im Dorf gibt, welches uns ab Abend mit leckeren montenegrinischen Essen versorgen sollte.

„Leider gibt es kein Essen mehr. Nur bis halb 7“. 

Waaas? Kein Essen? Gehen wollen wir nun aber auch nicht wieder, sodass wir uns spontan dafür entscheiden ein Bier und den wunderschönen Sonnenuntergang zu genießen.

Gut, dass wir zuvor Nudeln auf Vorrat gekauft haben („Nudeln kann man immer gebrauchen“ bewahrheitet sich einfach immer)…

„Ey, guckt euch diesen krassen Sternenhimmel an!!!!“

Unglaublich, so viele Sterne! Wir liegen mit vollen Bäuchen auf unseren Handtüchern auf der breiten Mauer, spüren die Steine in unserem Rücken und schauen in den klaren Himmel, sehen Sternbilder, die wir zuvor nur in Büchern gesehen haben, die Milchstraße und zwischendurch sogar eine Sternschnuppe.

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